Brustrekonstruktion

Angleichungsoperation

Je nach Ausgangsbefund der gesunden Brust, kann es sein, dass diese im Rahmen der Brustrekonstruktion hinsichtlich Form und Größe nicht genau nachempfunden werden kann. Im Anschluss an die Brustrekonstruktion ist es  daher möglich nach ca. 3 Monaten einen bestehenden Unterschied durch eine Angleichungsoperation der gesunden Seite auszugleichen. Hierbei kann entweder eine Verkleinerung oder eine Straffungsoperation der gesunden Brust indiziert sein.

OP-Dauer 1-2 Stunden
Klinikaufenthalt 1-3 Tage
Anästhesie Vollnarkose
Nachsorge 6 Wochen Tragen eines stüzenden BHs, keine "hüpfenden" Sportarten, keine Sauna, kein Solarium
Risiken Blutergüsse, Brustschwellung, vorübergehende Gefühlsstörung der Brustwarzen, kosmetisch störende Narben

Rekonstruktion der Brustwarze sowie des Brustwarzenvorhofes

Die Neubildung der Brustwarze (Mamille) und des Warzenhofs (Areola) stellt den Abschluss der Brustrekonstruktion dar und ist sozusagen das "I-Tüpfelchen". Diese relativ kurze Operation kann auch in Lokalanästhesie erfolgen und dauert ca. 30 min.

Sie vervollständigt die rekonstruierte Brust für das menschliche Auge enorm. Die Brustwarze wird durch eine lokale Verschiebelappenplastik aus der ortständigen Haut geformt, während der Warzenvorhof durch eine Hauttransplantation (meist aus der Schrittregion) erfolgt. Manchmal bietet sich auch eine Teilung der Brustwarze und/ oder die Transplantation eines Teils des Warzenvorhofes von der Gegenseite an.

Die Brustwarze und der Warzenhof sollten nicht im Rahmen der ersten Operation mit dem Aufbau der Brust durchgeführt werden, da es in den ersten 3 Monaten nach der Operation noch zu deutlichen Formveränderungen kommen kann, und das Endergebnis letztendlich erst nach dieser Zeit zu beurteilen ist.

Brustrekonstruktion mit Implantaten

Die Brustrekonstruktion mit einem Silikonimplantat ist vor allem dann ein geeignetes Verfahren, wenn der Hautmantel bei der Brustentfernung erhalten werden kann. Sobald eine Brust bestrahlt wurde empfiehlt sich die Rekonstruktion mit Implantaten nicht, da das Risiko für eine Kapselfibrose sehr hoch ist.

Auch nach einer Ablatio (vollständige Abnahme der Brust inklusive Hautmantel und Brustwarze) ist eine Implantatrekonstruktion möglich. Hierbei muss jedoch vorerst durch die Einlage eines Gewebeexpanders die Haut gedehnt werden. Es besteht dennoch eine Limitation in Größe und Form.

Eine Brustrekonstruktion mit Implantaten eignet sich außerdem als „Platzhalten“ im Rahmen der Sofortrekonstruktion, wenn der Hautmantel der Brust erhalten bleiben kann und erst später ein Aufbau mit Eigengewebe erfolgen soll.

 

Vorteile einer Brustrekonstruktion mit Implantaten sind:

  • Kurze Op-Dauer
  • Keine Entnahmeregion und damit keine zusätzlichen Narben an anderen Körperregionen.

 

Nachteile einer Brustrekonstruktion mit Implantaten sind:

  • Implantatränder tast-/sichtbar
  • Fremdkörpergefühl
  • Kalte Brust
  • Implantatwechsel häufig mehrmals im Laufe des Lebens erforderlich

Brustrekonstruktion mit freiem Gewebetransfer

Der freie Gewebetransfer, in der Fachsprache als freie Lappentechnik bezeichnet, sollte ausschließlich  brustchirurgischen Kompetenzzentren mit großer mikrochirurgischer Operationserfahrung erfolgen. Dabei wird Haut- und Fettgewebe an der ausgewählten Körperstelle (Bauch, Gesäß oder Oberschenkel) entnommen, ohne das darunterliegende Muskelgewebe zu beschädigen.

Das Gewebe wird an der Brustwand mit den dort verlaufenden Blutgefäßen unter dem OP-Mikroskop  verbunden und dort zu einer neuen Brust geformt. Um sicherzustellen, dass die neu geformte Brust ausreichend durchblutet ist, erfolgt innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation eine stündliche Beurteilung durch geschultes Personal (Lappenmonitoring).

 

Die gängigsten Verfahren zum Brustaufbau mit freiem Gewebetransfer sind:

1. DIEP

Beim DIEP-Lappen-Verfahren wird ein spindelförmiger  Haut- und Fettgewebslappen aus dem Unterbauchbereich als Spendergewebe für die neue Brust verwendet (Unterbauch-Haut-Fett-Lappen). Die ernährenden Blutgefäße werden aus dem Bauchmuskel herausgelöst und kurz vor der Leiste abgetrennt. Hierzu muss die Muskelfaszie (die bindegewebige Hülle des Muskels) eröffnet werden. Der Bauchmuskel bleibt bei dieser Operationstechnik jedoch unversehrt. Dies ist vor allem für die Erholungszeit nach der Operation ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Verfahren. Der im Bauchbereich entstehende Gewebedefekt wie bei einer

Bauchdeckenstraffung verschlossen. Das Verfahren setzt einen gewissen Haut- und Fettgewebsüberschuss im Bereich des Unterbauches voraus. Gleichzeitig wird die Entfernung des Gewebes aus dem Bauchbereich von vielen Patienten als positiver  Nebeneffekt begrüßt.

Aus dem Unterbauch-Haut-Fett-Lappen Bauchfettlappen können sowohl eine als auch zwei Brüste aufgebaut werden (Doppel-DIEP).

2. FCI / S-GAP / I-GAP

Wenn im Bauchbereich zu wenig Fettgewebe für die Entnahme vorhanden ist oder aus anderen Gründen der Bauch nicht zur Brustrekonstruktion in Frage kommt, kann ein Haut-Fett-Lappen aus dem Gesäßbereich Verwendung finden.  Hierbei unterscheidet man je nach Lage des entnommenen Gewebes sowie nach dem ernährenden Blutgefäß zwischen einem FCI-Lappen, einem S-GAP- und einem I-GAP-Lappen. Der Vorteil des FCI-Lappens liegt in der günstigen Lage der Narbe in der unteren Gesäßfalte. Aus einer Gesäßhälfte kann jeweils eine Brust rekonstruiert werden.

3. TMG

Alternativ zu Gesäß und Unterbauch kann das zukünftige Brustgewebe aus der Oberschenkelinnenseite entnommen werden. Hierbei wird ein zarter Muskel, der sogenannte M. graziles, mitgenommen. Auf die Funktion des Muskels am Oberschenkel kann in der Regel verzichtet werden. Bei Reiterinnen oder Balletttänzerinnen empfehlen wir diese Lappenplastik jedoch nicht. Die Narbe liegt bei dieser Methode im Bereich des inneren Beinansatzes. Positiver Nebeneffekt dieser Operationstechnik ist eine gleichzeitige Straffung der Oberschenkel. Aus einer Oberschenkelinnenseite kann jeweils eine Brust rekonstruiert werden.

Brustrekonstruktion mit MLD

Der Latissimus dorsi Muskel ist der große Rückenmuskel, welcher sich flächig vom Schulterblatt bis zum Kreuzbein aufspannt. Der Muskel kann an seinem hauptversorgenden Blutgefäß, das aus der Achselhöhle kommt, vom Rücken auf die Brustwand gedreht werden. Der Muskel kann entweder mit oder ohne Hautinsel gehoben werden, um eine Brust zu rekonstruieren.

Auf Grund seiner geringen Schichtdicke reicht das Volumen meist nicht aus, um eine Brust vollständig aus dem Rückenmuskel aufzubauen.  So ist es häufig notwendig noch zusätzlich ein Silikonimplantat unter den Muskel zu legen.