Kahnbeinbruch

Kahnbeinbruch (Kahnbeinfraktur)

Das Handgelenk besteht aus Elle, Speiche und zwei aufeinander folgenden Reihen von Handwurzelknochen. Das Kahnbein befindet sich an der Daumenseite der Handwurzel und verbindet beide Handwurzelreihen miteinander. Seine Oberfläche ist größtenteils von Gelenkknorpel überzogen. Ernährende Blutgefäße können nur an einigen Stellen zum Knochen gelangen.

Eine Kahnbeinfraktur entsteht durch eine Überstreckung des Handgelenks. Bedingt durch die enge Bandführung des Handgelenks ist die Verschiebung der Knochenfragmente oft nur gering. Häufig wird der Bruch dadurch leicht als „Verstauchung“ abgetan. Die anfänglichen Beschwerden können nach einiger Zeit vorübergehend verschwinden, ohne dass es zur Heilung der Fraktur gekommen ist.

Die Symptome einer Kahnbeinfraktur können sehr unterschiedlich sein - häufig bestehen Schmerzen im Handgelenk bei Bewegung und beim Aufstützen.

Nicht immer ist der Bruch auf den ersten Röntgenbildern gut zu sehen. Bedingt durch die geringe Verschiebung der Bruchstücke ist die Fraktur hier oft schlecht oder gar nicht zu erkennen. Erst Kontrollaufnahmen nach einiger Zeit bringen die Verletzung in solchen Situationen zu Tage.

Notwendige Untersuchungen

Bei der Verletzung soll zunächst eine „einfache“ Röntgenuntersuchung des Handgelenks durchgeführt werden. Ist die Verletzung hier klar zu erkennen, sind weitere Untersuchungen nicht mehr erforderlich. Ist auf diesen Aufnahmen keine Fraktur zu erkennen und besteht aufgrund typischer Symptome weiterhin ein Verdacht, wird die Diagnose durch eine Computertomografie (CT) oder eine Kernspintomografie (MRT) gestellt.

Die Heilungstendenz einer Kahnbeinfraktur hängt wesentlich davon ab, in welchem Anteil des Kahnbeins sie gelegen ist. Man unterscheidet hier drei Drittel:

  • Bei Brüchen des unteren („proximalen“) Kahnbeindrittels ist die Durchblutung des kleinen gebrochenen Anteils stark herabgesetzt, die Heilungstendenz ist schlecht.
  • Der Bruch des mittleren Drittels belässt eine bessere Blutzufuhr zum unteren Fragment, die Heilungstendenz ist besser, eine knöcherne Heilung jedoch weiterhin nicht sicher.
  • Der Bruch des oberen („distalen“,"körperfernen“) Drittels ist hinsichtlich der Durchblutung beider Fragmente unkritisch. Die Heilungstendenz gut, Heilungskomplikationen sehr selten.

Die Heilungstendenz einer Kahnbeinfraktur ist außerdem von der Zeitspanne von der Verletzung bis zur Diagnosestellung abhängig. Beginnt die Behandlung erst nach einigen Wochen, sind die Aussichten schlechter.

Grundsätzlich gilt: Bei günstiger Heilungstendenz kann konservativ, also im Gipsverband behandelt werden. Je ungünstiger die Heilungstendenz, je eher soll operativ behandelt werden: eine Osteosynthese mit einer Schraube verbessert die Heilungschancen und verkürzt die Behandlungszeit.

Der Gipsverband reicht zum Unterarm uns schließt den Daumen im Grundgelenk ein. Die Dauer der Ruhigstellungszeit ist abhängig vom Frakturtyp und beträgt zwischen 6 und 14 Wochen.

Auch nach konsequenter konservativer Behandlung über einen entsprechend langen Zeitraum kann eine knöcherne Heilung ausbleiben. Die Gefahr hierzu besteht bei:

  • verzögertem Bendlungsbeginn, insbesondere dann, wenn die Fraktur verspätet erkannt und anfangs nicht im Gipsverband immobilisiert wurde,
  • bei bestimmten Bruchtypen, bei denen ein Anteil des gebrochenen Kahnbeins von der Blutversorgung abgeschnitten ist ("kleines proximales Fragment") und
  • bei verschobenen Brüchen.

In diesen Situationen soll der Bruch operativ stabilisiert werden.

Auch bei unverschobenem Bruch kann eine Verschraubung die Immobilisationsdauer ganz wesentlich reduzieren.

Operation

Bei der Operation werden die Bruchstücke mit einer Spezialschaube fixiert. Man verwendet eine Doppelgewindeschraube, bei der beide Gewindeanteile eine unterschiedliche Steigung aufweisen oder gegeneinander beweglich sind. Die Schraube wird beim Eindrehen vollständig im Knochen versenkt. Beim Anziehen werden die Bruchstücke aufeinander gepresst und damit stabil fixiert. Bei unverschobenen Brüchen kann die Verschraubung die Ruhigstellungszeit stark verkürzen. Bei verschobenen Brüchen wird zusätzlich die Wahrscheinlichkeit der Ausheilung verbessert.

Ist der Bruch unverschoben, kann die Schraube durch einen winzigen Hautschnitt ("minimalinvasiv") platziert werden. Nur bei verschobenen Brüchen und dann, wenn zusätzlich Knochen übertragen werden muss, ist eine "normaler" Hautschnitt notwendig.

Häufige Fragen

Bitte beachten Sie auch die häufigen Fragen.

Nicht verheilte Kahnbeinfrakturen ("Kahnbeinpseudarthrosen")

Kahnbeinfrakturen zeigen im Vergleich zu anderen Knochenbrüchen eine relativ schlechtere Heilungstendenz: nicht immer kommt es zum Zusammenwachsen der Bruchfragmente. Eine fehlende knöcherne Ausheilung kann dabei verschiedene Ursachen haben:

  • Der Kahnbeinbruch wurde nach der Verletzung nicht unmittelbar erkannt, die Behandlung erst verzögert begonnen
  • Es handelt sich um einen ungünstigen Frakturtyp
  • Die Behandlung wurde zu früh beendet

Die hierdurch verursachten Beschwerden sind zu Anfang nicht sehr ausgeprägt. Es kommt zu Handgelenksbeschwerden bei stärkerer Belastung; die Beweglichkeit ist anfangs nur wenig eingeschränkt. Erst im Laufe von Jahren entwickelt sich eine zunehmende Fehlstellung der Handwurzelknochen. Ein gesteigerter Knorpelabrieb ist die langfristige Folge, es bildet sich eine Verschleißerkrankung (Arthrose). In unterschiedlichem Ausmaß und unterschiedlichem zeitlichen Verlauf entstehen Schmerzen, Bewegungseinschränkung und Kraftminderung der betroffenen Hand.

Behandlung

Nur eine rechtzeitige erfolgreiche Behandlung der Pseudarthrose mit knöcherner Konsolidierung kann die Entwicklung einer Arthrose verhindern oder zumindest deutlich verlangsamen. Durch eine Gipsruhigstellung allein kann eine knöcherne Heilung nicht erwartet werden, so dass eine Operation unvermeidlich ist.

Typisches Bild einer nicht verheilten Kahnbeinfraktur ("Falschgelenk" oder "Pseudarthrose"). Der Frakturspalt ist erweitert, die Enden der Fraktur sind abgerundet. Das Kahnbein ist insgesamt verkürzt.

 

Die operative Behandlung der Kahnbeinpseudarthrose besteht aus drei Schritten:

  • Die Entfernung des zwischen den Bruchstücken gelegenen Gewebes
  • Die Auffüllung der Knochenlücke durch Verpflanzung von körpereigenem Knochengewebe
  • Fixierung der Bruchstücke durch Verklemmen mit dem Knochentransplantat und/oder eine zusätzlichen Fixierung mit einer Schraube oder einem Kirschner-Draht.

Eine Gipsruhigstellung von unterschiedlicher Dauer ist nach der Operation erforderlich.

Der Erfolg der Behandlung ist vom vorliegenden Frakturtyp abhängig; Heilungsraten zwischen 60% und 90% können angenommen werden. Im ungünstigsten Fall kommt es zur fehlenden knöchernen Ausheilung trotz Operation. In der Regel sind dann weitere Maßnahmen erforderlich.

 

 

 

 

Empfehlung

Nur die knöcherne Ausheilung einer Kahnbeinfraktur kann die Entstehung einer Arthrose verhindern oder sie zumindest verlangsamen.

Sofern noch keine Arthrose des Handgelenks besteht, ist die operative Behandlung eines Kahnbein-Falschgelenks meistens angezeigt.

Mit längerem Zuwarten werden die Heilungsaussichten verschlechtert.

Häufige Fragen

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